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Transparenz – nicht nur „fürs Protokoll!“

Transparency International Deutschland e.V. arbeitet gemeinnützig und ist politisch unabhängig. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein über die schädlichen Folgen der Korruption zu schärfen und nationale und internationale Integritätssysteme zu stärken.
Caspar von Hauenschild

„Mit Transparenz, Rechenschaft und Integrität sind Interessenkonflikte zu lösen.“

Caspar von Hauenschild Vorstand Transparency International Deutschland e.V.

Herr von Hauenschild, als Vorstand von Transparency International Deutschland kennen Sie die Berichterstattung deutscher Großkonzerne zur Korruptionsverhinderung wie kaum ein anderer. Was hat sich an dieser Stelle in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Ich habe beobachtet, dass das „Risiko Korruption“ wie auch das „Risiko Preisabsprachen“ endlich ganz oben auf der Liste der zu beherrschenden Unternehmensrisiken steht. Kontrollorgane wie Aufsichtsrat und Beirat fragen nach Umsetzung und Effizienz von Compliance-Management-Systemen (CMS). Allerdings ist nicht jedes CMS schon wirklich funktionstüchtig. Das Hauptproblem liegt in der ungenügenden Prävention. Das kritische Pre-Screening von Kunden und Lieferanten nach dem Null-Toleranz-Prinzip in Sachen Korruption – und zwar unter Einbeziehung von Vermittlern und Beratern – stößt noch immer auf große Widerstände der marktnah agierenden Mitarbeiter. Der Aufwand ist hoch und Kunden sowie Lieferanten haben wenig Verständnis für entsprechende Bemühungen. Auch der Ausstieg aus Märkten aufgrund zu hoher Korruptionsrisiken ist natürlich bitter. Wer allerdings glaubwürdige und effiziente Compliance-Management-Systeme haben will, muss diesen hohen Aufwand in der Präventionsphase betreiben. Sich allein darauf zu verlassen, dass der Handelnde in der konkreten Situation einem möglichen Bestechungsversuch schon widerstehen wird, ist fahrlässig und damit nicht akzeptabel.

Ist vor allem die Information transparenter und detaillierter geworden, oder lassen sich auch Veränderungen im Verhalten der Konzerne feststellen?

Ganz eindeutig berichten die Unternehmen heute detaillierter über die jeweiligen Compliance-Management-Systeme – und zwar nach Berichtslinien und Anzahl der Mitarbeiter. CMS sind jedoch niemals fertig, weil sich das Geschäftsumfeld laufend verändert. Daher wären Berichte über die Erfahrungen bei der Einführung eines Compliance-Management-Systems sowie über spätere Korrekturen wichtig, um die Glaubwürdigkeit und Effizienz der gesamten Compliance-Organisation zu erhöhen. Langsam, aber stetig sind auch immer mehr Unternehmen dazu bereit, sich an sogenannten „collective actions“ in Sachen Korruptionsprävention zu beteiligen. In Moskau haben sich zum Beispiel circa 50 deutsche und russische Unternehmen zusammengeschlossen und erklärt, zukünftig weder Schmiergelder noch Bestechungsgelder zu zahlen.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Finanzsektor hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Welche Bedeutung kommen der Transparenz, der Rechenschaft und der Integrität bei seiner Rückgewinnung zu?

Ich denke, dass Banken noch kreativer nach Wegen aus der Vertrauenskrise suchen müssen. Sich allein auf die „große Finanzmarktreform“ zu verlassen, ist gefährlich. Eine Offenlegung, zum Beispiel der Wertschöpfungskette Privatkunden mit Produktverantwortlichen, Zulieferern, Bonus- und Controllingsystemen sowie Kunden-Risiko-Profilen wäre hier ein sinnvoller Beitrag zu mehr Transparenz und Rechenschaft und könnte nicht zuletzt auch eine echte Alternative zu den gesetzlich verlangten „Protokollorgien“ sein. Wer dies alles tut und in der Lage ist, eine neue nachhaltige Führungskultur nachzuweisen, wird meines Erachtens als erster den Weg aus der Vertrauenskrise finden, weil er auch die Integrität seiner Verantwortungsträger nachweisbar macht.

Was sind aus Ihrer Sicht die großen Zukunftsthemen im Hinblick auf Wirtschaftsethik und gesetzeskonforme Unternehmensführung?

Der Münchener Moraltheologe Trutz Rendtorff hat einmal gesagt: „Ethik ist das Ergebnis von Konsens; sein Stoff aber sind Konflikte“. Für Banken sind Interessenkonflikte systemimmanent. Sie sind aber mit höchster Transparenz, echter Rechenschaft und dauerhafter Integrität zu lösen. Dazu reichen ein paar großzügig verteilte Codes of Conducts jedoch nicht aus. Die Zukunftsthemen für Banken werden daher die neuen „hard facts“ sein: Der Nachweis nachhaltiger Führungskultur, in die ein modernes beratendes Compliance-Management-System integriert werden muss.

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