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„Eine vorbildhafte Kooperation“

Museum für Moderne Kunst (Bild)
Es ist eine ganz besondere Beziehung, die die Commerzbank mit dem MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt verbindet. Im vergangenen Jahr wurde sie weiter intensiviert.

Die Commerzbank bedachte das Museum mit hochkarätigen Dauerleihgaben und einer Spende von 1 Million Euro aus dem Auktionserlös für Alberto Giacomettis Skulptur „L’homme qui marche I“. MMK-Direktorin Dr. Susanne Gaensheimer über die fruchtbare Zusammenarbeit zweier auf den ersten Blick ungleicher Institutionen.

Frau Dr. Gaensheimer, das MMK Museum für Moderne Kunst gehört zu den weltweit bedeutendsten Museen für Gegenwartskunst. Welchen Stellenwert haben die Dauerleihgaben und die Spende der Commerzbank für Ihr Haus?

Neben dem kontinuierlichen Ausbau der Sammlung ist das zweite wesentliche Ziel unseres Hauses die Kunstvermittlung. Genau an diesen beiden Stellen greift das Engagement der Commerzbank. Die Bank hat uns Arbeiten namhafter Künstler der Gegenwart wie Dan Flavin, Morris Louis, Tobias Rehberger oder Michael Beutler dauerhaft überlassen. Damit konnten Lücken in unserem Sammlungsbestand geschlossen und verschiedene Werkgruppen um bedeutende Positionen ergänzt werden. Gleichzeitig erweitert die Commerzbank damit die hervorragende und langjährige Kooperation mit unserem Haus. Das Kunstwerk „Tischgesellschaft“ von Katharina Fritsch etwa ist seit dem Bestehen des MMK als Dauerleihgabe bei uns beheimatet und in den Köpfen vieler Besucher eines der Wahrzeichen unseres Museums geworden. Die großzügige Spende in Höhe von 1 Million Euro ermöglicht es uns, in den Bereichen der Kunstvermittlung und Restaurierung zukunftsorientierte und nachhaltige Projekte zu initiieren und auszubauen. Das Engagement der Commerzbank bedeutet daher nicht nur eine wirklich effektive Förderung. Es ist in der besonderen Form der Unterstützung auch ein wegweisendes Beispiel von Public-Private-Partnership.

Mit dieser Spende will das MMK eine Stiftung für eine nachhaltige Museumsarbeit gründen. Was sind Ihre Pläne?

Ziel der Stiftung wird es sein, im MMK die Arbeit der Bereiche Restaurierung und Kunstvermittlung langfristig zu stärken und für die Zukunft zu sichern. Immer mehr Kinder und Jugendliche befassen sich mit Gegenwartskunst und deren Inhalten. Diese zu vermitteln und die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Positionen zu fördern, ist eine der großen Aufgaben im aktuellen Museumsbetrieb – und auch der künftigen Stiftung. Oberste Priorität hat hierbei für mich die Schaffung einer Stelle für die Kunstvermittlung, die es bislang in unserem Haus nicht gibt. Aber ehe die Stiftung ihre inhaltliche Arbeit aufnehmen kann, gilt es zunächst, eine ganze Reihe organisatorischer, bürokratischer und rechtlicher Hürden zu nehmen. In dieser Phase befinden wir uns gerade.

Museum für Moderne Kunst (Bild)

Sie sprachen gerade von der wachsenden Bedeutung der Kunstvermittlung. Welche zusätzlichen Aufgaben muss Museumspädagogik heute leisten?

Kunst ist dazu da, wahrgenommen und diskutiert zu werden. Ein erster Blick reicht hierzu nicht aus. Vielmehr kommt es darauf an, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen und sich ausführlich darauf einzulassen. Hier setzt unser partizipatorisches, museumspädagogisches Konzept an. Denn wir verstehen die Begegnung mit Kunst als forschendes Lernen, unabhängig vom Alter und Bildungshorizont. Wichtig ist eine Kombination aus Anleitung, Auseinandersetzung mit dem Original sowie dem eigenen kreativen Arbeiten. Die Formen des Lernens und der Auseinandersetzung mit der Kunst sind dabei vielfältig: Man kann über sie sprechen, schreiben, recherchieren, Menschen befragen oder sie als Anlass für eigene kreative Aktionen nutzen. Bei der Vermittlungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es ganz entscheidend, die Kreativität zu wecken – und genau an diesem Punkt setzen wir an. Ein Beispiel: Im Rahmen der Reihe „MMK Nano“ erkunden Kinder zwischen vier und sechs Jahren mit uns das Museum. Hierbei erleben sie Kunst mit allen Sinnen und experimentieren selbst kreativ. Damit möchten wir Neugierde, Tatendrang und Wissenshunger anregen und fördern.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen so unterschiedlichen Institutionen wie einer Bank und einem Museum? Versteht man sich?

So unterschiedlich sind die Institutionen meiner Meinung nach gar nicht. Wir agieren beide in einem anderen Geschäftsfeld, aber die wesentlichen Kriterien für einen langfristigen Erfolg am Markt sind ähnlich. So gilt es für beide Häuser, das in sie gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen ergänzen sich dabei hervorragend. Schon seit vielen Jahren fördert die Jürgen-Ponto-Stiftung unser Ausstellungsprogramm im MMK Zollamt (siehe hier). Eine derartige Kooperation ist auf lange Sicht nur möglich, wenn beide Seiten voneinander lernen und sich verstehen.

Wohin sollte Ihrer Meinung nach der Weg des MMK in den nächsten zehn Jahren führen? Welche Rolle spielen hierbei Leihgaben und Spenden, über die wir gerade gesprochen haben?

Unser Ziel ist es, die Sammlung des MMK kontinuierlich auszubauen und durch verschiedene Ausstellungs- und Vermittlungsformate lebendig und diskursiv zu halten. Als städtische Einrichtung verfügen wir über keinen Ankaufsetat. Deshalb sind Spenden, Schenkungen, langfristige Leihgaben sowie die Zusammenarbeit mit privaten und privatwirtschaftlichen Sammlern und Sammlungen von großer Bedeutung für uns. Ebenso wichtig ist das große Engagement zahlreicher Frankfurter Bürgerinnen und Bürger an verschiedenen Initiativen zur Förderung des MMK, die die Sammlung in ihrer jetzigen Form erst ermöglicht haben. Ein ganz besonderes Projekt – die Tischgesellschaft – wurde nach dem gleichnamigen Kunstwerk von Katharina Fritsch benannt, mit dem die Partnerschaft zwischen Bank und Museum 1991 begann.

Die Tischgesellschaft: Modell für mäzenatische Kunstförderung (Bild)

Die Tischgesellschaft: Modell für mäzenatische Kunstförderung

Ein berühmtes Kunstwerk von Katharina Fritsch avancierte 1997 zum Vorbild einer besonderen Veranstaltung der Freunde des MMK Museum für Moderne Kunst: die Tischgesellschaft. Einmal im Jahr trifft sich im MMK ein Kreis, der sich für die Förderung des Museums einsetzt. Die Zahl der Teilnehmer ist durch das Kunstwerk vorgegeben: 16 Gastgeber bitten 16 Gäste zu Tisch. Mit Spenden unterstützt der Förderzirkel besondere Projekte des MMK und ist inzwischen über die Grenzen Frankfurts hinaus als beispielhaftes Modell für mäzenatische Kunstförderung bekannt geworden.

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