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„Eine großartige Sache“

Die Ziellinie ist erreicht. Schneller als erhofft sind Commerzbank und Dresdner Bank zusammengewachsen. Als Projektmitarbeiter haben die Commerzbanker Dr. Anke Sax und Thomas Bothe an verantwortlicher Stelle mitgewirkt. Sie berichten.

Erfolg braucht Mut. Das wussten Anke Sax und Thomas Bothe, als sie 2009 den Sprung ins kalte Wasser wagten und sich damit in ein unbekanntes Abenteuer stürzten. Beide Commerzbanker hatten ihre Arbeitsplätze in der IT und im Investmentbanking hinter sich gelassen, um sich voll und ganz auf eines der größten Projekte in der deutschen Bankengeschichte zu konzentrieren: den Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank. Zwei Jahre Projektarbeit lagen vor ihnen. Anke Sax steuerte im Rahmen des Integrationsprojekts die Umsetzung im Inland. Dazu gehörten die Umstellung der Filialen während der Markenintegration, die Zuordnung der Mitarbeiter zu ihren Zielfunktionen und deren Berechtigung auf die IT-Systeme. Thomas Bothe war im zentralen Projekt-Office für das Investmentbanking der alten Commerzbank und von Dresdner Kleinwort verantwortlich und außerdem in London und New York im Einsatz. Gemeinsam mit bis zu 4 500 weiteren Mitarbeitern, die konzernweit an der Integration arbeiteten, stellten sie die Weichen dafür, dass das Projekt unter der Leitung von Markus Krebber, damals Bereichsvorstand Integration, und Peter Leukert, Bereichsvorstand IT, in Rekordzeit bewältigt wurde.

Engagement bei Windstärke 12

Anke Sax

„Ein solch herausforderndes Projekt in knapper Zeit mit hohem Engagement abgeschlossen zu haben, halte ich persönlich für das wichtigste Ergebnis“, bilanziert Anke Sax, die inzwischen Bereichsleiterin für das Management der IT-Kosten ist. „Erfolgsentscheidend war für mich die stets klare Fokussierung auf die Zeitschiene und auf die Systeme der Commerzbank.“ Thomas Bothe, heute Regionalfilialleiter der Mittelstandsbank in Augsburg, stimmt zu: „Wir hatten von Anfang an ein klares Ziel vor Augen. Überall waren ein hohes Engagement und großer Respekt vor der Aufgabe zu spüren.“

Und diese Aufgabe hatte es in sich. Nicht nur technisch und organisatorisch, auch menschlich. Denn die Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank veränderte den Arbeitsalltag vieler Menschen. 9 000 Vollzeitstellen müssen abgebaut, 45 000 Mitarbeiter in neue Zielfunktionen eingesetzt werden. Nicht nur Daten mussten umziehen, auch Kollegen. Es galt, Ängste und Vorurteile abzubauen und die Belegschaft bei allen wichtigen Schritten „an die Hand zu nehmen“. Bothe erinnert sich: „Wir mussten unterschiedlichste Interessen, von unterschiedlichsten Abteilungen mit unterschiedlichsten Zielrichtungen unter einen Hut bekommen.“ Kein leichtes Unterfangen vor dem Hintergrund der damaligen allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise. „Wir haben das alles bei Windstärke 12 geschafft“, unterstreicht Bothe.

Schon bald stellte sich heraus: Alles steht und fällt mit der Kommunikation. Und die kann manchmal zäh sein. „Ich konnte gar nicht genug kommunizieren und jedem klarmachen, warum es nicht gut ist, allein nach vorne zu rennen“, blickt Bothe zurück. „Was ich aber bemerkenswert fand, war der respektvolle Umgang.“ Gemeinsam habe man beschlossen, das gewaltige Projekt Schritt für Schritt anzugehen und sich von der Dimension des Vorhabens nicht verrückt machen zu lassen. „Von da an war uns klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Anke Sax ergänzt: „Schwierig fand ich, die unterschiedlichen Sichten zu analysieren, zu kommunizieren und zusammenzubringen.“ Das sei aber grundsätzlich schwierig, sagt sie und zitiert den Kommunikationsguru Paul Watzlawick: „Eine gelingende Kommunikation ist eben auch im unternehmerischen Alltag die Ausnahme und nicht die Regel, meint Watzlawick. Die Kommunikationsströme in die richtigen Bahnen zu lenken, ist herausfordernd. Wenn es dann aber funktioniert – einfach großartig!“

Kulturelle Integration gerät ins Blickfeld

Thomas Bothe

Es hat funktioniert. Sogar früher als erwartet. Jetzt, nach formalem Abschluss der Integration, bleibt aber eine Herausforderung nach wie vor erhalten: die kulturelle Integration. Thomas Bothe ist überzeugt, dass auch dieser Prozess gelingen wird: „Es wird schon noch eine Weile dauern, bis wir sagen können, wir sind jetzt wirklich eins. Aber mit jedem Tag, den die Kollegen zusammenarbeiten, lernen sie sich besser kennen und trennen sich immer mehr von der Historie.“ Schon heute höre er kaum noch jemand sagen: „Wir haben das früher so gemacht und ihr so.“ Und Bothe weiß auch: Der gemeinsame Erfolg schweißt zusammen. „Davon profitieren wir zurzeit. Das merke ich ganz besonders bei meiner Truppe: Wenn man gemeinsam erfolgreich ist, wächst ein Team noch schneller zusammen.“ Auch der Nachwuchs trage dazu bei, dass zusammenwächst, was zusammengehört. „Auszubildende oder Studenten haben eben nie grün oder gelb gedacht.“

Auch Anke Sax ist sich der Tragweite der kulturellen Dimension bewusst: „Wir müssen aufpassen, dass wir die Dynamik und auch das bereichsübergreifende Arbeiten mit wenig bis keinen Bereichsegoismen in den Alltag überführen. Wir müssen weiter sicherstellen, dass unterschiedliche Herangehensweisen an Themen als positiv und nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Und wir müssen uns davor hüten, selektiv wahrzunehmen und zu sagen, klar typisch grün, typisch gelb.“ Das funktioniere im Großen und Ganzen schon gut. Dennoch beobachte sie bisweilen noch „Nester in grün und gelb“, die die andere Seite kritisch beäugten. „Wir alle müssen uns klarmachen: Vielfalt ist Mehrwert, elementar wichtig und nicht gefährlich.“

Wertvolle Erfahrungen für die eigene Karriere

Anke Sax und Thomas Bothe haben viel zum Gelingen des Integrationsprojekts beigetragen und dabei selbst jede Menge wertvoller Erfahrungen sammeln können. Erfahrungen, die sie nicht missen möchten. „Die Methodenkompetenz des Beraters, einen komplexen Sachverhalt in einer einfachen Art und Weise zu übersetzen, habe ich über zwei Jahre fast täglich in diesem Projekt erlebt“, erklärt Bothe. Auch die Problemlösungsstrategien, die er sich mithilfe des Integrationsprojekts habe aneignen können, seien von unschätzbarem Wert.

Anke Sax freut sich heute darüber, ein Gesamtbild von der Bank zu haben. Und: „Ich habe mir ein unglaublich gutes Netzwerk aufgebaut, das es zu pflegen gilt. So ist eine Lösung oft nur ein Telefonat entfernt.“ Noch etwas habe sie gelernt: „Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Wenn wir es schaffen, dass wir miteinander reden und nicht übereinander und nicht nebeneinander her, dann können wir das alles schaffen.“

Keine Frage, die Arbeit im Integrationsprojekt hat auch viel Kraft gekostet. Marathonsitzungen gehörten ebenso dazu wie so manche Pizza um Mitternacht. Dennoch: Vor die Wahl gestellt, würden die beiden Commerzbanker heute alles genauso machen wollen. Anke Sax ist sich sicher: „Man bekommt wirklich nicht so viele Chancen in seinem Leben, bei so einer großartigen Sache mitzumachen.“

Integration in Rekordzeit

In weniger als 1 000 Tagen hat die Commerzbank die Integration der Dresdner Bank erfolgreich abgeschlossen. Alle wichtigen Meilensteine des größten Integrationsprojekts der deutschen Bankengeschichte konnten wie geplant erreicht werden. In einigen Bereichen ist die Bank trotz der weltweit herausfordernden wirtschaftlichen Situation sogar schneller als erwartet vorangekommen. Über Ostern 2011 hat sie mit der Kunden- und Produktdatenmigration den letzten großen Schritt des bankweiten Integrationsprojekts getan. Alle Kunden erhalten seitdem in sämtlichen Filialen die gleichen Produkte und Dienstleistungen. Ihre Organisationsstruktur hatte die Commerzbank bereits in den Jahren 2009 und 2010 angepasst. Dabei wurden rund 3 800 Führungspositionen besetzt sowie rund 45 000 Mitarbeiter in neue Zielfunktionen eingesetzt. Auch beim Stellenabbau liegt die Commerzbank weiter im Plan. Insgesamt sollen wie bekannt rund 9 000 Vollzeitstellen abgebaut werden, davon sind über 85 Prozent bereits kontrahiert. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen sind bei Erreichen der Ziele bis Ende 2013 ausgeschlossen.

Die Integration beinhaltet einen tiefgreifenden kulturellen Wandel, der alle Beteiligten vor eine große Herausforderung stellt. Sie bringt umfangreiche Veränderungen im Arbeitsalltag vieler Mitarbeiter mit sich – bis hin zu Tätigkeits- oder Ortswechseln. Die Commerzbank hat deshalb von Beginn an die „weichen“ Faktoren besonders berücksichtigt und ein professionelles „Change Management eingeführt. Dafür wurden rund 3 800 Führungskräfte zu sogenannten Change Agents qualifiziert. Sie sollten unter anderem die Situation der Mitarbeiter beim Integrationsprozess mit gestalten und den Weg zur neuen Commerzbank transparent machen. Darüber hinaus wurden in anderthalb Jahren mehr als 4 000 Workshops zum Thema „ZusammenWachsen“ durchgeführt. Auch künftig erhalten die Mitarbeiter eine aktive Begleitung in Form zielgerichteter Teamentwicklungsseminare.

Die kulturelle Integration ist ein langwieriger Prozess, über dessen Erfolg letztlich die Zufriedenheit eines jeden Mitarbeiters entscheidet. Um diese Zufriedenheit sichtbar zu machen, hat die Commerzbank bereits kurz nach Ankündigung der Übernahme mit systematischen Mitarbeiterbefragungen begonnen. Das umfassendste Befragungsinstrument ist der repräsentative „Change Monitor“: Das Ergebnis der zweiten großen Befragung von 15 000 Teilnehmern im September 2010 belegt, dass die Belegschaft auch emotional weiter zu einem Team zusammenwächst und sich überaus stark für die Integration engagiert. In besonderem Maße identifizieren sich die Führungskräfte mit ihrer Bank. Auch die Befragung aller Mitarbeiter im dritten Quartal 2011 griff unter anderem das zentrale Thema der kulturellen Integration auf.

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